68. Jahrgang

Auktionsberichte

5. Versteigerung Auction Galleries Hamburg: Raritäten der moderneren Deutschland-Philatelie


26.08.2017 | Auf der 5. Versteigerung der Auction Galleries Hamburg gelangen über 4200 Lose zum Ausruf, davon allein fast 1300 Sammlungen und Posten aus aller Welt, ferner Ansichtskarten, Münzen und Banknoten sowie Autographen und Varia. Das Deutschland-Angebot wird dabei geprägt durch die Auflösung einer großartigen Kollektion in über 500 Lose. Zahl­reiche rare Marken aus den letzten 80 Jahren kommen dadurch auf den Markt, wodurch Bieter die Chance haben, die eine oder andere Lücke in ihrer Sammlung zu schließen.


Besetzungsausgaben im Blickpunkt

Ein Schwerpunkt liegt auf den deutschen Besetzungsausgaben im Zweiten Weltkrieg. Der seltenste Satz von Böh­men und Mähren ist die Flugpost­ausgabe (MiNrn. 20-27) von Mährisch-Ostrau. Diese lokale Ausgabe erschien bereits vier Monate vor den regulären Marken des Protektorates. Ein postfrischer Satz mit dem Spitzenwert, zu­dem in guter Zähnung 13 3/4, ist in Rand­stücken im Angebot. Für das be­setzte Albanien war im Jahre 1944 eine weitere Ausgabe geplant, die den be­rühmten Skanderbeg-Helm zeigt. Sie wurde nicht mehr realisiert. Von größter Sel­tenheit ist ein Vorlagekarton mit zwei der wenigen erhaltenen Probe­drucke. Die Besetzungsausgaben für das französische Dünkirchen sind gleich "reihenweise“ mit seltenen Paa­ren vertreten. Mini-Aufla­gen von 80 bis 100 Stück sind die Re­gel. Ebenfalls vorhanden ist ein un­gezähnter Eisbär­block, der eine Auf­lage von nur 100 Stück hat. Von den seltenen Lo­kal­aus­gaben Litau­ens bis hin zu guten Mar­ken von Zara reicht die Palette gesuchter Aufdruckwerte. Auch ungezähnte Marken kommen un­ter den Hammer, etwa von der Land­schaftsausgabe von Jersey oder von den ukrainischen Hilfs­post­marken von Wla­dimir-Wolynsk. Zum Abschluss dieser Ab­teilung kommen Feld­post- und Kriegs­pro­pagandamar­ken unter den Ham­mer, darunter auch ein Rand­stück der beliebten "Frank“-Marke des Gene­ral­gouverne­ments.

Ein interessantes Ka­pitel der DDR-Post­ge­schichte sind Propa­gandafäl­schun­gen der "KgU“, der „Kampf­gruppe ge­gen Un­menschlich­keit“, die Anfang der 1950er Jahre von West-Berlin aus operierte, um gegen die DDR zu agitieren. "Undeutsche Undemo­kra­tische Repu­blik“ lautet die Inschrift auf den leicht veränderten überdruckten Fünfjahr­plan­marken. Den Original­mar­ken täuschend ähnlich sahen diese Pro­pa­gan­dafälschungen aus, zudem wur­de die "Berliner Stalinallee“ auch noch zur "Stras­se des 17. Juni“. Gleich fünf Exem­plare dieser im Michel-Katalog unter der MiNr. 7 der Propagan­dafälschungen gelisteten Marken hat der Absender verklebt und, sozusagen als Tarnung, noch mit regulären Briefmarken zufrankiert. Der Brief, von Berlin nach Hei­delberg gelaufen, wurde sogar "per Eil­boten“ abgefertigt, wie es auch der rückseitige Stem­pel doku­men­tiert. Im Post­be­trieb aufgefallen ist aber die "un­erhörte“ Propa­gan­da­frankatur nicht, und so blieb ein großartiges Dokument deutscher Nach­kriegs­geschichte für
die heutige Samm­lerge­nera­tion erhalten. Eine Nach­kriegsrarität ist auch ein be­darfsmäßig verwendeter Paket­kar­ten­­ausschnitt mit einer teilweise ungezähnten 60 Pf Posthorn. Nur drei Exem­plare dieser dekorativen Abart sind bis heute bekannt.

Gesuchte USA-Frankatur

Den Titel des Auktionskataloges ziert hingegen George Washington, genauer gesagt die 90-Cents-Marke Scott Nr. 72 mit dem Bildnis eines der Grün­dungsväter der USA. Zusammen mit einer 24- und einer 30-Cents-Marke derselben 1861er-Freimarken­ausgabe bildet er das exorbitante 144-Cents-Por­to für einen schwergewichtigen Brief nach England. Führt man sich vor Au­gen, dass ein ganz normaler In­lands­brief zu der Zeit 3 Cents kostete, wird schnell klar, dass ein solcher Porto­betrag nur auf Geschäftspost für übergewichtige Briefe oder im Auslands­verkehr benötigt wurde. Der bekannte "Siegel“-Census listet nur ganze 51 erhalten gebliebene Briefe mit diesem hohen Wert auf - dagegen sind Briefe mit dem berühmten "Bayern-Einser“ deutlich häufiger zu finden! Der "Blick über den Zaun“ zeigt zudem Hoch­wertiges von Italien und zwar insbesondere aus der Zeit der Sozialen Republik 1943-1945. Schweizer Klassik und be­liebte Ausgaben von China sind preisstabile Gebiete, und sie setzen dem ausländischen Angebot einige Glanz­lichter auf. Dazu gehört auch der "Schau­spieler“-Block der Volksrepublik China, von dem nur 20 000 Exemplare ge­druckt wurden. Bezogen auf den riesigen Markt für dieses Sammelgebiet ist das doch geradezu eine "Mini“-Auf­la­ge. Freunde der "Social Philately“ kommen ebenfalls auf ihre Kosten, z. B. mit einem detaillierten Brief aus 1836 von Capt. Christopher Allyn vom Walfang­schiff "Phoenix“ aus "Tahita“ (Tahiti), in dem er u. a. über die Moral seiner Mannschaft berichtet.


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